Kaum jemand wird ernsthaft bestreiten, dass kleine und mittlere Unternehmen an die Durchführung öffentlich geförderter Unternehmensberatungsleistungen hohe Anforderungen stellen dürfen. Als solche benannt werden beispielsweise: „Effiziente Organisation, professionelle Autonomie, die Partizipation der Adressaten und Vertrauen als Grundvoraussetzung professioneller Leistungserbringung auf der Mikroebene“. Der Beitrag stellt einige Überlegungen zur Gestaltung und Steuerung von KMU-Beratungsförderprogrammen an, die dabei helfen sollen, diesen hohen Erwartungen in der Förderpraxis von KMU-Beratungen Rechnung zu tragen.
Die den Beratungsförderprogrammen zugrunde liegende, stets auch von Marktbedingungen und dem jeweils spezifischen Handeln der beteiligten Akteure abhängige Anreizsystematik ist dabei nicht immer widerspruchsfrei. Potentielle Kooperationschancen zwischen der Bundes- und der Landesebene sowie zwischen unterschiedlichen Fachministerien werden eher selten ausgeschöpft. Arbeits- und organisationswissenschaftliche Aspekte von Beratungsprozessen geraten gegenüber einer Technologie- und Produktzentrierung leicht ins Hintertreffen. Einzelne Marktteilnehmer fühlen sich mangels Förderfähigkeit pauschal diskriminiert, andere durch Umsetzungsrichtlinien benachteiligt. Mitnahmeeffekte auch jenseits förderfähiger Beratungsinhalte werden von Seiten der Fördergeber beklagt, bürokratische Verfahren von Unternehmen und Beratern. Dabei sind Unternehmensberaterinnen und -berater, aber auch Akteure öffentlicher Einrichtungen regelmäßig nicht nur dem Wohle ihrer Kunden verpflichtet, sondern – programmbedingt – ‚Diener vieler Herren’, die nicht immer deckungsgleiche Ziele und Interessen haben.
Beim überwiegenden Teil der mit öffentlichen Mitteln geförderten Beratungen aktiver, d. h., nicht mehr im Gründungsprozess befindlicher, Unternehmen spielt die Veränderung betrieblicher Prozesse eine zentrale Rolle. Mithilfe von Unternehmensberatern werden dabei Neuerungen eingeführt, die – jedenfalls aus der Perspektive der entsprechenden Unternehmen – häufig auch einen innovativen Gehalt aufweisen.
Es lohnt sich vor allem auch zur Förderung von prozessbezogenen Innovationsstrategien in KMU – so die hier vertretene These –, Effektivität und Effizienz von Beratungsförderprogrammen zu verbessern. Dabei stellen sich u. a. die folgenden Fragen: Wie können die beteiligten Akteure bestehende Kooperationsregeln optimieren und neue Regeln institutionalisieren? Führen wechselseitige Investitionen in Vertrauen zur Minimierung von Überwachungskosten? Wie lassen sich Verfahren von Förderprogrammen so verbessern, dass die Opportunitätskosten der geförderten KMU verringert werden? Wie lässt sich der Einsatz von programmspezifischen Multiplikatoren und Intermediären verbessern, um Förderziele besser zu erreichen?
Der Aufsatz "Gesichtspunkte für die Ausgestaltung und Umsetzung von KMU-Beratungsprogrammen zur Förderung betrieblicher Prozessinnovationen" von Dr. Ulrich Sassenbach entstand im Rahmen des BMBF-Projektes KMU-INNOSTRAT und steht als Download zur Verfügung.

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