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Artikelaktionen

Newsletter-Archiv

G.I.B.-Newsletter Nr. 266
"... und im nächsten Moment bin ich eine so kraftlose Einheit und mache einen so geringen Eindruck, dass niemand meine Spuren finden kann. Ich suche mich ausfindig zu machen und finde, dass das Wenige von mir, das zu entdecken ist, dabei ist einzuschlafen, und dann helfe ich ihm nach und stecke es ins Bett." (Henry David Thoreau: Briefe an einen spirituellen Sucher)
G.I.B.-Newsletter Nr. 265
"Gestern hats geschneiet, Heute hats geregnet; Oder hats geregnet Gestern, heut geschneiet? Gestern hats geschneiet Nachts, und Tags geregnet; Heute hats geregnet Nachts, und Tags geschneiet. Wird es morgen schneien, Oder wird es regnen? Oder wird es regnen Morgen auch und schneien? Wird es morgen schneien Nachts, und Tages regnen? Oder wird es regnen Nachts und Tages schneien? Ob es regnend schneie, Oder schneiend regne; Dass es Gott gesegne, Und es uns gedeihe! (Friedrich Rückert, 1788-1866)
G.I.B.-Newsletter Nr. 264
"30.4.1661: Das einzige bemerkenswerte Ereignis des Tages: in Newington fiel mir ein Hut vom Kopf ins Wasser, wodurch er verdorben wurde, was mir unangenehm ist." (Samuel Pepys: Sämtliche Tagebücher 1660-1669)
G.I.B.-Newsletter Nr. 263
"Der Blick in den Spiegel sagt dem Betrachter, unabhängig von Aufmachung und Tageszeit: Es musste wohl jemanden geben, der so aussieht." (Peter Sloterdijk: Zeilen und Tage)
G.I.B.-Newsletter Nr. 262
"Ihr Männer, seid gegrüßt! Nehmt ihr einen schwerbetrunkenen Mann noch als Zechgenossen bei euch auf, oder sollen wir wieder abziehen...? (...) Da hätten ihm alle zugejubelt und ihn aufgefordert einzutreten und sich niederzulegen, und Agathon habe ihn eingeladen (...) Als er lag, habe er gesagt: Nun, Ihr Männer, ihr kommt mir noch so nüchtern vor! Das darf man euch nicht durchgehen lassen, nein! ihr müßt trinken! So haben wir`s doch ausgemacht. Zum Zechmeister beim Trinkgelage wähle ich, bis ihr genug getrunken habt - mich selbst. Agathon soll einen großen Becher bringen lassen, wenn einer da ist. Doch nein! nicht nötig! He Bursche, rief er, bring den Weinkühler dort her! Sein Blick war nämlich auf solch ein Gefäß gefallen, das mehr als zwei Liter faßte. (Platon: Symposion)
G.I.B.-Newsletter Nr. 259
In Jakob Arjounis neuem Kriminalroman "Bruder Kemal" bereitet die Verlagsagentin den Frankfurter Privatdetektiv Kayankaya auf eine Lesung seines marokkanischen Schützlings auf der Frankfurter Buchmesse vor: "Die Bürgermeisterin will kommen, vielleicht sogar der hessische Innenminister...Na ja, jedenfalls in dem Zusammenhang wollte ich Sie um...ähm...angemessene Kleidung bitten." "Wie meinen Sie das? Turban?"
G.I.B.-Newsletter Nr. 261
"Als Hildegard Behrens in der Metropolitan die Brünnhilde sang, brach die Gibichungenburg vorzeitig zusammen und schmetterte durch einen herabsausenden Balken die leidgeprüfte Walküre zu Boden, die sich nur noch mühsam in die Garderobe schleppen konnte. Später stellte sich heraus, dass sich durch den Zusammenbruch der Burg ein tiefer Schacht geöffnet hatte, in den Brünnhilde Behrens unweigerlich gestürzt wäre, hätte der Balken sie nicht aus dem Programm geworfen." (Hanswilhelm Haefs: "Das dritte Handbuch des nutzlosen Wissens")
G.I.B. Newsletter Nr. 260
"Oh wie Rüeg Germer hasst! Aber noch schrecklicher ist es, wie Germer Rüeg hasst. Und am fürchterlichsten ist es, wie beide einander in den Tod sich hassen. Und doch müssen sie zusammenarbeiten. Eng verschlungen, wie die geschmeidig sein sollenden Bestandteile einer schnurrenden Maschine. Des Einen Tätigkeit ist futsch, ohne die bereitwillige Tätigkeit des Andern. Macht einer Fehler, so müssen drei drunter leiden - und Germer macht immer Fehler. Aber er glaubt steif und fest, er arbeite nur deshalb schlecht, weil Rüegs Bosheit ihn kaputt macht." (Robert Walser: Im Bureau)
G.I.B.-Newsletter Nr. 258
Geben Sie Ihren Lesern so bald wie möglich soviel Information wie möglich. Soll die Spannung doch sehen, wo sie bleibt. Die Leser sollten so umfassend darüber Bescheid wissen, was wo und warum vorgeht, daß sie die Geschichte selbst zu Ende führen könnten, falls Kakerlaken die letzten paar Seiten gefressen haben sollten. (Kurt Vonnegut: Suche Traum, biete mich)
G.I.B.-Newsletter Nr. 257
Er hatte so viel über die Sache gedacht, wenigstens geschrieben, daß man damit wo nicht ein Pferdchen doch ein mäßiges Eselchen füglich damit hätte belasten können. (Georg Christoph Lichtenberg: Sudelbuch L)
G.I.B.-Newsletter Nr. 256
"An einem Wintertag rief Hemingway mich auf die Finca. Er erklärte mir, im Swimming Pool sei ein Loch. Es war sehr kalt. Ich lehne mich über den Rand des Beckens und fragte: "Wo ist das Loch?" Während ich versuchte, unter der Wasseroberfläche etwas zu entdecken, stieß mich Hemnigway von hinten, so dass ich kopfüber ins Wasser stürzte. Senor Ernesto lachte wie verrückt über seinen Streich. Stellen Sie sich vor: Er hatte seinen Chauffeur Juan zu mir geschickt, nur um den Spaß zu haben, mich ins Wasser zu stürzen! Und dann sprang auch er hinein, in voller Kleidung. Er war sehr demokratisch." (Norberto Fuentes: Ernest Hemingway - Jahre in Kuba)
G.I.B.-Newsletter Nr. 255
"Als ich sieben, acht, zehn oder zwölf war - so ungefähr -, sagte eine Nachbarin zu ihr: Glauben Sie auch nur irgendetwas, was der Bengel sagt?" Meine Mutter antwortete: "Er ist die Quelle der Wahrheit, aber man kann mit einem Eimer nicht die ganze Quelle ausschöpfen." (Mark Twain: Autobiografie)
G.I.B.-Newsletter Nr. 254
"Die Stunden außerhalb des Bureaus fresse ich wie ein wildes Tier." (Franz Kafka: Briefe)
G.I.B.-Newsletter Nr. 253
"Leben Sie recht wohl und verzeihen Sie der abermaligen Unfruchtbarkeit dieses Briefes, der ich durch eine Portion Rüben nachzuhelfen suche." (Goethe an Schiller, 6.3.1799)
G.I.B.-Newsletter Nr. 252
"Ein paar Monate zuvor hatte ich meinen zweiten Roman zu schreiben begonnen und begann eifrig auf meine Tasten einzuhacken. Als ich 25 000 Wörter im Kasten hatte, merkte ich, dass ich mich in eine Sackgasse geschrieben hatte. Mein Roman hatte lediglich zwei Charaktere, und zu meiner großen Bestürzung stellte ich fest, dass ich beide umgebracht hatte. Das war ein ziemlich gravierender Handlungsfehler." (Joe Simpson: Im Banne des Giganen. Der lange Weg zum Eiger)
G.I.B. Newsletter Nr. 251
Meine Arbeit für den Reifen-Service der Firma One-Day Dealers ist interessant und bringt meine handwerklichen Fähigkeiten zur Geltung, obwohl meine wissenschaftliche Ausbildung dabei ungenutzt bleibt. Ich bin ein Reifennachriller. Das heißt, wir nehmen die Glatzen, also Reifen, die so abgefahren sind, daß sie nur noch wenig oder gar kein Profil mehr haben, und dann nehmen die anderen Nachriller und ich eine heiße Ahle und rillen bis auf den Mantel runter, immer nach dem Muster des alten Profils, so daß es aussieht, als wäre noch Gummi an dem Reifen...Und dann malen wir den nachgerillten Reifen mit schwarzer Gummifarbe an, so daß er wie ein echt verdammt guter Reifen aussieht. (Philip K. Dick: Bekenntnisse eines Reifennachrillers)
G.I.B.-Newsletter Nr. 250
"Wenn aber von öffentlichem Geld zu hören oder zu lesen ist, bekommt dieses Geld einen Plural, den es sonst nicht hat oder benötigt: Gelder. Fördergelder, die beantragt werden, Gelder, die bewilligt worden sind, oder Gelder, die veruntreut wurden. Öffentliche Gelder sind offenbar etwas ganz anderes als privates Geld. (...) Beim öffentlichen Geld (...) ertönt der Lockruf der Gelder, die man der öffentlichen Hand entnehmen kann: Gelder, die wiederum aus "Töpfen" stammen, in denen sie offenbar sehr altmodisch aufbewahrt werden. Wenn einer von Geldern spricht, meint er niemals sein Geld, sondern solches, das er sich vielleicht verschaffen kann, durch beantragen und bewilligt bekommen oder, wenn er den Bogen raus hat, durch veruntreuen." (Wiglaf Droste: Sprichst du noch oder kommunizierst du schon? Neue Sprachglossen)
G.I.B.-Newsletter Nr. 249
Etienne beschäftigt die verstreichende Zeit. Er sagt sich jeden Morgen: "Vergiss nicht: Du bist zwar wieder ein Stück blöder als gestern, dafür aber lange nicht so dämlich wie morgen." (Jean-Pierre Abraham: "Der weiße Archipel")
G.I.B.-Newsletter Nr. 248
"RuuuiiinIIIIIIIIiiiert..." Das war der Schlachtruf der Schule, so langgezogen und moduliert, wie wir uns Hyänengeheul vorstellten. Gilchrist gab die gellendste, schreckensvollste Version von sich; die von Leigh hatte mitten in den Heullauten einen gebrochenen Schluchzer; aber alle machten ihn zumindest angemessen. Er war, wenn auch spielerisch, Ausdruck der zwanghaften Kastrationsängste männlicher Jungfrauen. (Julian Barnes: Metroland)
G.I.B Newsletter Nr. 247
Meine Mutter sagte immer: "Wenn irgendjemand kommt, tu die Schreibmaschine weg und versteck Dich im Schrank. Es braucht niemand zu wissen, dass du hier bist." Manchmal stand ich über eine Stunde in diesem Schrank, und der Geruch der Mottenkugeln nahm mir den Atem. So brauchte sie Verwandten oder den Nachbarn nicht zu sagen, dass ihr Sohn ein Schriftsteller war. (Henry Miller: ein Leben und meine Welt)
G.I.B Newsletter Nr. 246
"Nach einer Weile erhob er sich, offenbar in der Absicht wegzugehen, wankte aber, stolperte über ein Stuhlbein, fiel längelang hin und... begann zu schnarchen. So etwas pflegt vorzukommen bei Nichttrinkern, wenn sie sich zufällig einmal doch angetrunken haben. Sie bleiben bei Bewusstsein bis zum letzten Augenblick, und dann fallen sie plötzlich um wie hingemäht. Exzellenz lag vollkommen bewusstlos am Boden. Pseldonimoff fuhr sich in die Haare und erstarrte in dieser Stellung. Die Gäste brachen eilig auf, und ein jeder suchte sich das Vorgefallene auf seine Weise zu deuten. Es war schon gegen drei Uhr morgens." (Fjodor M. Dostojewski: Eine dumme Geschichte)
G.I.B Newsletter Nr. 245
Ich sitze am Küchentisch./Die Windel wechselt die Frau./ Ich habe die vorige gewechselt./Ich werde die folgende wechseln./Warum sehe ich den Windelwechsel/Mit Ungeduld? (Thomas Gsella: Kille Kuckuck Dideldei. Gedichte mit Säugling)
G.I.B Newsletter Nr. 244
"Wahlkampf gleicht dem Versuch, einen Touristen statt im Hotel im Reiseprospekt unterzubringen." Karl Garbe (*1927, Bochum)
G.I.B. Newsletter Nr. 243
14.02.1980: Wir fuhren weiter nach einem Restaurant in Bottrop. Gleich nach unserer Ankunft hatte man uns erzählt, dass heute ein verrückter Tag sei, ein Tag, an dem die Frauen Männer jagen und ihnen die Krawatten abschneiden. Da wir Bescheid wussten - wir sahen die betrunkenen Frauen herumlaufen - nahmen wir unsere Krawatten ab und steckten sie in die Tasche, aber eine Frau erwischte mich am Hemdzipfel und schnitt ihn ab. Es war ein gutes Hemd und ich war wütend. Die Frauen waren wie Furien. Wir stiegen mit Hans ins Auto und fuhren zurück in seine Galerie. Ich war müde und ärgerte mich über die Sache mit dem Hemd. (Andy Warhol: Das Tagebuch. Von 1976 bis 1987)
G.I.B. Newsletter Nr. 242
"1856 als Sohn einer Kaufmannsfamilie in Neuengland geboren, war Peary unzweifelhaft der zielstrebigste, erfolgreichste und wahrscheinlich unsympathischste Mann in den Annalen der Polarforschung. Er war intelligent, doch hatte er einen grausamen Sinn für Humor. Zum Beispiel stellte er seinem Großvater gern ein Bein, um sich am Sturz des gebrechlichen Mannes zu ergötzen." (Fergus Fleming: Neunzig Grad Nord. Der Traum vom Pol)
G.I.B. Newsletter Nr. 241
Der Direktor hatte mir gesagt: »Ich halte Sie nur aus Respekt vor Ihrem verehrten Vater, sonst wären Sie schon längst bei mir geflogen.« Und ich hatte ihm entgegnet: »Exzellenz. Sie schmeicheln mir viel zu sehr mit der Annahme, daß ich fliegen könne.« Und darauf vernahm ich nur noch, wie er sagte: »Räumen Sie diesen Herrn ab, er geht mir auf die Nerven.« Zwei Tage darauf wurde ich entlassen. (Anton Tschechow: Mein Leben)
G.I.B. Newsletter Nr. 240
"Ich weiß, daß Sie glauben, Sie verstünden, was Sie denken, was ich gesagt habe; aber ich bin mir nicht sicher, ob Sie begreifen, daß das, was Sie gehört haben, nicht das ist, was ich meine." (Richard Nixon)
G.I.B. Newsletter Nr. 239
"Wenn ich nur einen schlechten Rotwein hätte, eine Alkoholzufuhr aber für dringend sachdienlich hielte, würde ich den Wein so weit wie möglich runterkühlen. Man weiß ja von Coca-Cola und manchem Milchspeiseeis, daß eklige Dinge halbwegs tolerabel schmecken, wenn man sie stark kühlt. Ich würde den schlechten Wein jedenfalls nicht zur drastischeren Offenlegung seiner minderen Qualität auch noch erwärmen!" (Max Goldt: Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens)
G.I.B. Newsletter Nr. 238
Wo ist der Kinobesuch und der Alkoholismus erheblich? Wo ist die Bettwäsche grau und die Seifenreklame vergeblich? Wo verspottet man Diogenes, weil er zufrieden war mit einer Tonne? Wo wird der Vierjahresplan erfüllt, alle vier Jahre sehen wir die Sonne? Wem klingt der Bohrhammerlärm täglich durchs rußige Ohr? Wer hat den norddeutschen Ernst, verbunden mit Schweizer Humor? Ja sehen Sie, das hat nur uns're Heimatstadt. (Georg Kreisler: Gelsenkirchen, 1962)
G.I.B. Newsletter Nr. 237
"Bitte, meine Herrschaften. Hängen Sie, wie man so sagt, Ihre Ohren an den Nagel der Aufmerksamkeit" Prof. Serebrjakow in Anton Tschechows "Onkel Wanja".
G.I.B. Newsletter Nr. 236
"Wer in einem dunklen Schachte/Ganz vergnügt an Schunkeln dachte/Und, ans Licht gehoben, schreit/Leidet an Verschrobenheit" (Harun Dolfs)
G.I.B. Newsletter Nr. 235
"Nach sechs Operationen an meinem kaputten Knie sagten mir die Ärzte, dass ich fortan immer hinken würde und höchtswahrscheinlich nie mehr würde klettern können. Ich hörte nicht auf sie, und nach jahrelanger Physiotherapie, unterstützt durch Treppenstürze im Suff, konnte ich das Knie allmählich wieder viel stärker beugen." (Joe Simpson: Im Banne des Giganten. Der lange Weg zum Eiger)
G.I.B. Newsletter Nr. 234
"Was gestern hätte geschrieben werden können, passt eigentlich nicht mehr in die Zeitschrift. Was erst morgen reif wäre zur Niederschrift, schon eher. Aber so rigoros wird sich das nicht durchführen lassen. Es ist schrecklich schwer, Leute zu finden, die etwas Neues zu sagen haben. Und wenn man sie gefunden hat, ist es schrecklich schwer, Leute zu finden, die etwas Neues hören wollen." (Alfred Polgar)
G.I.B. Newsletter Nr. 233
SZ-Magazin: "Wissen Sie, was auf Ihrem Grabstein stehen soll?". Vicco von Bülow: "Zweckmäßig wäre es, wenn der Name darauf stünde." (Interview Sueddeutsche Zeitung Magazin, 21. Juni 2002)
G.I.B. Newsletter Nr. 232
Einer der enthusiastischsten, aber auch seltsamsten Bewunderer Goethes war Gottlieb Wilhelm Burmann, der Redakteur der in Berlin erscheinenden Spenerschen Zeitung. Als Goethe 1778 in Berlin weilte, suchte er Burmann in seinem Bureau auf. Burmann fragte den Eintretenden, was ihn herführe und wer er sei. "Goethe", sagte der Besucher. Burmann sprang von seinem Stuhl auf, warf sich Goethe zu Füßen und wälzte sich ganz exaltiert auf dem Fußboden herum. "Um Himmels willen! Was haben Sie", rief Goethe, vor solchem Gefühlsausbruch ganz erschrocken. "Ach, die Freude, die Freude, dass Sie mich besuchen! Ich kann meine Freude einfach nicht besser ausdrücken", stammelte der hoch beglückte Zeitungsmann. "Nun, wenn's das ist, dann will ich mich gern zu Ihnen werfen", rief Goethe, legte sich gleichfalls hin - und die beiden wälzten sich miteinander auf dem Fußboden herum." Jörg Drews (Hg): Goethe - anekdotisch
G.I.B. Newsletter Nr. 231
"Wenn man erwägt, dass der Mensch manche hunderttausend Jahre lang ein im höchsten Grade der Furcht zugängliches Tier war und dass alles Plötzliche, Unerwartete ihn kampfbereit, vielleicht todesbereit sein hieß, ja dass selbst später, in sozialen Verhältnissen, alle Sicherheit auf dem Erwarteten, auf dem Herkommen in Meinung und Tätigkeit beruhte, so darf man sich nicht wundern, dass bei allem Plötzlichen, Unerwarteten in Wort und Tat, wenn es ohne Gefahr und Schaden hereinbricht, der Mensch ausgelassen wird, in's Gegenteil der Furcht übergeht: das vor Angst zitternde, zusammengekrümmte Wesen schnellt empor, entfaltet sich weit - der Mensch lacht. Diesen Übergang aus momentaner Angst in kurz dauernden Übermut nennt man das Komische. " (Friedrich Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches I. Ein Buch für freie Geister)
G.I.B. Newsletter Nr. 230
"Ich weiß, dass es eine große Zahl guter und tüchtiger Jäger gibt, die ihr Handwerk verstehen. Aber wesentlich mehr Jäger sind korpulente Herren voller Whisky, bewaffnet mit scharfgeladenen Gewehren. Sie schießen auf alles, was sich bewegt oder so aussieht, als könne es sich bewegen, und ihr Erfolg darin, sich gegenseitig auszurotten, wird vieleicht eine Übervölkerung verhindern. Wenn die Verluste auf ihre eigene Spezies beschränkt blieben, wäre es weiter nicht schlimm, aber das Abschlachten von Kühen, Schweinen, Farmern, Hunden und Verkehrsschildern macht den Herbst zur gefährlichsten Reisezeit. Ein Farmer im Staate New York malte das Wort ´Kuh`mit großen schwarzen Buchstaben auf beide Seiten seiner weißen Kuh, und die Jäger erschossen sie trotzdem." John Steinbeck: "Meine Reise mit Charley. Auf der Suche nach Amerika"
G.I.B. Newsletter Nr. 229
Als sie ins Gasthaus traten, nickte er dem Kellner zu und sagte: »Brüderchen, gib uns ein halber Wunderding und vierundzwanzig Unannehmlichkeiten.« Der Kellner servierte nach kurzer Zeit eine halbe Flasche Wodka und einige Teller mit verschiedenen Vorspeisen. »Hör mal, mein Bester«, sagte Potschatkin zu ihm, »gib uns hierauf eine Portion des Hauptmeisters der Verleumdung und der üblen Nachrede mit Kartoffelpüree.« Der Kellner begriff ihn nicht und wurde verlegen. Er wollte etwas sagen, allein Potschatkin blickte ihn streng an und rief: »Außer!« Der Kellner dachte angestrengt nach, hierauf ging er mit seinen Kameraden zu Rate und hatte es schließlich trotz allem erfasst: er bracht eine Portion Zunge. (Anton Tschechow: Drei Jahre)
G.I.B. Newsletter Nr. 228
"Ein paar junge Männer saßen oberhalb des Tores auf der Straßenböschung, offenbar müßig. Doch einer von ihnen war unser Führer; eine Verabredung war telefonisch arrangiert worden. Er begann auf der Stelle mit der Arbeit, glitt von der Böschung herunter und sagte, der Ort sei kulturell wertvoll. Das war vielversprechend, aber er sprach nicht wirklich Englisch. Ja, er hatte mit diesem Satz sein Pulver so gut wie verfeuert." (V.S. Naipaul: Afrikanisches Maskenspiel. Einblicke in die Religionen Afrikas)
G.I.B. Newsletter Nr. 227
"Alles Unerträgliche ist im Kopf, weil der Kopf nicht in der Gegenwart verweilt, sondern die Mauern hochklettert, Erkundigungen einzieht und mit unerträglichen Nachrichten zurückkommt, die man dann irgendwie glaubt." (David Foster Wallace: Unendlicher Spaß)
G.I.B. Newsletter Nr. 226
"Wenn BWLer tanzen/Wie soll man das nennen?/Man muß nicht nur feiern wollen/Man muß es auch können." (Rainald Grebe)
G.I.B. Newsletter Nr. 225
»Das schönste wäre ein Interview, das alle Fragen sammelt, auf die man überhaupt keine Antwort hat.« Heiner Müller
G.I.B. Newsletter Nr. 224
Formulierungshilfen I. "arbeiten": (produktiv tätig sein) sich betätigen * werken * sich rühren* die Hände/sich regen; sich beschäftigen (scherzhaft) + hantieren. Umgangssprachlich: jobben * herumwirtschaften (abwertend) * wirtschaften (schweizerisch) * schanzen * schaffen * werkeln * puddeln * malochen * ranklotzen (landschaftlich) * bulksen ( landschaftlich abwertend). Salopp: roboten * dienen * schuften. (aus: Wörterbuch der Synonyme, dtv)
 

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